Herzen in Schwierigkeiten
“Es gibt Schwierigkeiten”, sagte Antius, während er Hendac in den Raum führte.
„Wann gibt es keine?“, antwortete Elysa, warf ihm ein dünnes Lächeln zu und ging zu einer Sesselgruppe. Sie hatte aus dem Fenster gesehen und mit den Fingern über die Narbe in der Mitte ihrer Brust gestrichen. Obwohl die Wunde verheilt war, brannte sie noch immer. Oft dachte sie, das Brennen wäre nur in ihrem Kopf, aber sie wusste, das irgendwo da draußen jemand war, der sie töten wollte. Sie verdrängte den Gedanken und wandte sich dem Tisch und den Sesseln zu, wo Antius und Hendac warteten.
„Was gibt es?“, fragte sie und setzte sich auf den Sessel neben Antius.
Hendac schob einen kleinen ledernen Behälter für Schriftrollen zur High Queen. Sie griff quer über den Tisch und nahm den Behälter. Er war zu groß, als das er von den Isparians gemacht worden wäre und das Leder war gebleicht, damit es weicher war. Es hatte Ähnlichkeit mit den Jagdtaschen, die von den Tonk von Marae Lassel getragen wurden. Elysa erinnerte sich, solche Taschen kürzlich gesehen zu haben, als Jäger von Marae Lassel gefragt hatten, ob sie in Dereth jagen und die Ispar Stämme herausfordern durften. Sie hatten ein paar Lager überall in Osteth aufgeschlagen, eines sogar in der Nähe von Ayan Baqur.
Sie öffnete den Verschluss, eine steinerne Spange. Die Spange war schwer und von quadratischer Form, von Lugians gemacht. Lord Kresovus hatte seinen Ärger über die fortgesetzten Angriffe auf seine Krieger durch einige Isparians zum Ausdruck gebracht, aber in den letzten Wochen hatten weniger Scharmützel stattgefunden und das Problem war derzeit nicht aktuell. Die einzige andere Gruppe, die so etwas herstellen konnten, waren die abtrünnigen Kräfte, die sich von den Virindi getrennt hatten.
„Renegades (=Abtrünnige)“, las sie in den ersten Zeilen. „Sie verbünden sich mit den neuen Kreaturen?“
„Anscheinend“, sagte Antius. Neben ihm nickte Hendac, das Hochziehen einer Augenbraue zeigte sein Missvergnügen: „Da ist noch mehr.“
Elysa las bis zum Ende und Hendac holte einen gefalteten Zettel aus seiner Hosentasche. Er stand auf, ging zu Elysa auf die andere Seite und legte den Zettel auf den Tisch. Er zeigte mit zwei Fingern auf seine Augen und tippte dann auf die Zettel. Elysa wusste, was er damit meinte.
„Wie konnten sie das bauen?“, fragte Elysa und starrte auf die Zeichnung. Sie war von Hendacs Hand gezeichnet und zeigte eine Art Fortress (= Festung). Sie war am Rand eines Plateaus gelegen mit zwei riesigen steinernen Türmen, welche die Ecken zum Flachland bewachten.
„Das ist noch unklar, aber Hendric hat mir versichert, das die Strukturen identisch mit jenen zu sein scheinen, die wir in Candeth Keep gefunden haben. Wir waren im Keep und haben herausgefunden, das einer der Wächter, ein Lugian namens Okret, seit kurzem vermisst wird.“. Antius pausierte. „Er war dort stationiert, seit wir den Außenposten errichtet haben. Sein Verschwinden und die Entdeckung der Festung – das ist mehr als Zufall.“
Elysa nichte.
“Der Blackmire Swamp wird von den Burun überrannt, Elysa. Diese neue Rasse hat fast alle Mosswarts von dort vertrieben. Ich bin kein Freund der Mosswarts, aber sie werden abgeschlachtet.“ Er holte Luft. „Dieses Schreiben stammt aus dem Fort in den Direlands. Muldaveus und Niarltah wollen ihre Kräfte mit der neuen Rasse vereinigen und wenn sie das machen, wer weiß, welche Rasse sie als nächste vertreiben.“
„Ich weiß, Antius. Wir müssen sie stoppen. Ich werde mit Kresovus sprechen.“ Sie unterbrach und faltete das Schriftstück zusammen, bevor sie es Hendac zurückgab. „Vielleicht ist er bereit, seine Spione ins Lager der Abtrünnigen zu senden.“ Es machte sie krank, das zu sagen.
Sie war stolz darauf, ihr ganzes Leben ehrlich und aufrichtig gewesen zu sein, aber jetzt nahm sie Zuflucht zu einer Lüge. „Wir machen was wir können, um die Abtrünnigen und die Buruns auseinander zu halten.“
Elysa stand auf und ging wieder zu ihrem Fenster, die Wunde auf ihrer Brust reibend...

